Strom sparen im Smart Home – was bringt es wirklich?

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Smarte Thermostate, intelligente Steckdosen, vernetzte Beleuchtung – die Verheissungen der Smart-Home-Branche klingen verlockend: Einfach ein paar Geräte installieren, die App öffnen und zusehen, wie die Energiekosten sinken. Der Branchenverband Smarthome Initiative Deutschland spricht gar von 20 bis 30 Prozent Einsparpotenzial im Energiebereich. Die Realität ist differenzierter – und lässt sich dank mehrerer unabhängiger Studien inzwischen gut belegen. Das Ergebnis: Smart Home kann tatsächlich Energie sparen, aber nur dann, wenn man die richtigen Geräte für den richtigen Zweck anschafft. Wer dagegen vor allem auf Komfort und Sicherheit setzt, verbraucht am Ende oft mehr Strom als zuvor.

Das zeigt eine Studie des Öko-Instituts im Auftrag der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, die als eine der umfassendsten unabhängigen Analysen zum Thema gilt. Die Forscher untersuchten zwei Modellhaushalte – eine Wohnung im Mehrfamilienhaus und ein Einfamilienhaus – und verglichen den Energieverbrauch bei verschiedenen Stufen der Vernetzung. Das Ergebnis ist aufschlussreich und widerspricht manchem Werbeversprechen.

Wo Smart Home wirklich spart – und wo es das Gegenteil bewirkt

Wer smarte Geräte gezielt zur Energieeinsparung anschafft – also Heizkörperthermostate, Tür- und Fensterkontakte sowie Beleuchtung mit Bewegungssensoren – kann laut Öko-Institut seinen Heizenergieverbrauch um neun Prozent in der Wohnung und bis zu 14 Prozent im Haus senken. Dem steht dabei lediglich ein Anstieg des Stromverbrauchs von drei Prozent gegenüber – eine klar positive Bilanz. In Zahlen: Ein Einfamilienhaus zahlt im besten Fall rund 30 Euro mehr für den Strom der smarten Geräte, erzielt aber eine Heizkostenersparnis von 172 Euro – ein Nettovorteil von 142 Euro pro Jahr. Das Umweltbundesamt bestätigt Einsparpotenziale von 10 bis 15 Prozent bei den Heizkosten durch smarte Steuerung.

Die Rechnung kippt jedoch, sobald zusätzliche Sicherheits- und Komfortgeräte ins Spiel kommen. Kameras, Rauchmelder, smarte Lautsprecher, Staubsaugerroboter oder Gartenbewässerungssysteme erhöhen den Stromverbrauch schrittweise – ohne zur Heizungsersparnis beizutragen. Wer sein Haus mit allen drei Ausbaustufen vollständig vernetzt (Energie, Sicherheit und Komfort), verbraucht laut Studie im Einfamilienhaus bis zu 19 Prozent mehr Strom als ein Haushalt ohne smarte Technik. In diesem Szenario bleibt unter dem Strich kaum noch eine Ersparnis übrig – im Haus nur noch rund zwei Euro pro Jahr, in der vollvernetzten Wohnung entstehen sogar Mehrkosten von bis zu zwölf Euro jährlich. Das Öko-Institut bringt es auf den Punkt: Entscheidend ist die Kaufabsicht. Haushalte, die smarte Geräte explizit zur Energieeffizienz anschaffen, sparen. Wer sie primär für Komfort kauft, spart in der Regel nicht – und zahlt oft drauf.

Positiv zu vermerken ist dabei, dass die CO₂-Bilanz in allen Szenarien besser abschneidet als ohne Smart-Home-Technik. Im Einfamilienhaus werden durch smarte Heizungssteuerung jährlich bis zu 778 Kilogramm CO₂-Äquivalente weniger ausgestossen, selbst wenn der erhöhte Stromverbrauch gegengerechnet wird. Über das gesamte Haus ergibt sich eine CO₂-Reduktion von bis zu zehn Prozent, in Mehrfamilienhauswohnungen immerhin von bis zu sechs Prozent.

Die klügsten Investitionen – und was es sonst noch zu beachten gibt

Wer mit Smart Home konkret Strom und Geld sparen möchte, sollte auf drei Gerätetypen setzen, die die grösste nachgewiesene Wirkung zeigen.

Smarte Heizkörperthermostate sind die wirksamste Einzelmassnahme. Sie regeln die Temperatur automatisch nach Uhrzeit, Anwesenheit und Aussentemperatur und schalten den Heizkörper ab, sobald ein Fenster geöffnet wird. Die Stiftung Warentest schätzt das realistische Einsparpotenzial durch smarte Thermostate auf fünf bis acht Prozent der Heizkosten – Herstellerangaben sind mit bis zu 30 Prozent deutlich optimistischer, aber schwer reproduzierbar. Viele dieser Geräte lassen sich ohne Handwerkereinsatz und ohne Zustimmung des Vermieters montieren, was sie auch für Mieterinnen und Mieter attraktiv macht.

Smarte Steckdosen – sogenannte Smart Plugs – sind die günstigste Einstiegsinvestition. Sie messen den Verbrauch einzelner Geräte, ermöglichen das vollständige Abschalten aus der Ferne und verhindern damit den dauerhaften Standby-Verbrauch. Gerade ältere Fernseher, Drucker oder Spielekonsolen verursachen im Standby-Modus zusammen bis zu mehrere hundert Kilowattstunden Stromverbrauch pro Jahr – Smart Plugs lösen dieses Problem ohne grossen Aufwand.

Smarte Beleuchtung mit LED-Basis und Bewegungs- oder Tageslichtsensoren spart weniger dramatisch als die Heizungssteuerung, bringt aber messbare Effekte: Während eine alte Glühbirne 60 Watt verbraucht, benötigt eine LED-Lampe für dieselbe Lichtmenge nur 6 bis 9 Watt. Eine zusätzliche Reduktion der Helligkeit um zehn Prozent spart laut verschiedenen Herstellerangaben nochmals bis zu 30 Prozent Strom.

Seit Januar 2025 können Haushalte in Deutschland ausserdem einen Smart Meter – ein intelligentes Stromzählersystem – beantragen. Er misst den Verbrauch in Echtzeit und ermöglicht es, Geräte gezielt in Zeiten günstiger dynamischer Stromtarife zu betreiben, was bei steigender Verbreitung von Photovoltaik-Anlagen zunehmend relevant wird.

Das Fazit ist nüchtern, aber klar: Smart Home ist kein Selbstläufer beim Stromsparen. Wer gezielt investiert – in Thermostate, smarte Steckdosen und sensorgesteuerte Beleuchtung – kann innerhalb von zwei bis drei Jahren eine Amortisation der Anschaffungskosten erreichen und dauerhaft profitieren. Wer hingegen sein Zuhause mit allem ausstattet, was technisch möglich ist, sollte sich nicht auf eine sinkende Stromrechnung verlassen.